Categories

Letztes Feedback

  •     18.12.15 14:55
    warum?

Meta





 

Kapitel 6 - "Vorfreude"


Es ist 14:00 Uhr und ich bin hungrig.
Wir wurden gebeten heute nicht vor dem Test zu Essen, weil das irgendwelche Unstimmigkeiten bei den Testergebnissen verursachen könnte. Ich hoffe das wird jetzt nicht jedes mal so sein.


Wir haben uns mit ein paar Leuten im Aufenthaltsraum getroffen, um von hier aus zusammen zum Labor zu gehen.


Sammy und Collin sitzen auf der Kautsch und diskutieren über die einzelnen Spiel-Elemente. Obwohl meine Erwartungen für den heutigen Probelauf gering sind, habe ich mich von der Begeisterung der Beiden anstecken lassen. Überhaupt, ist es mal ein neues Gefühl sich auf einen Test zu freuen, bislang empfand ich es bloß als anstrengend.


Raul und Martha sitzen am Fenster auf den breiten Heizkörpern und unterhalten sich ebenfalls über etwas, von allen Anwesenden wirken sie am entspanntesten. Raul sieht aus als würde er versuchen mit Martha zu flirten, sie hingegen wirkt gelassen. Entweder merkt sie es nicht, oder sie ignoriert es. Dabei fällt mir auf das ich gar nicht weiß ob sie verheiratet ist. Da sie Kinder hat, hatte ich das angenommen, aber eigentlich hat sie das nie gesagt. Ich habe bisher nicht darauf geachtet, aber jetzt fällt mir auch auf, das sie keinen Ring trägt. [Naja, es geht mich ja auch nichts an.]


Nina Steht abseits von allen an der Wand angelehnt und schaut geistesabwesend auf die eigenen Schuhe.


Lindsay Sitz an ihrem gewohnten Platz am Kaffeetisch. Sie hat ihr Buch dabei, aber es ist zugeklappt, statt dessen schaut sie sich im Raum um und hört unauffällig den Gesprächen zu. Selbst in ihren Augen ist heute eine leichte Aufregung zu sehen. Steckt in unserer Eisprinzessin vielleicht doch eine leidenschaftliche Zockerin? Das wehre eine Überraschung.


Vor der Tür unterhält sich Alina mit "Marcell Dubois" und "Gerald Richards", unseren beiden lokalen Künstler-Berühmtheiten Gerald ist Musiker, er spielte Saxofon in einer Retro-Band, bevor sich diese auflöste Marcell hingegen ist eher für abstrakte Kunst bekannt. Sein bekanntestes Werk ist ein Zimmer in dem er mehrere Tausend bunt angemalter Fäden gespannt hat. Der Raum hat nur zwei Fenster; während man durch das eine nur geometrische Formen sehen kann, ist durch das Andere die Szenerie einer Familie beim Frühstückstisch erkennbar. Ziemlich genial, wie ich finde. Während die beiden darüber reden wie man sich innerhalb des Spiels künstlerisch entfalten könnte, hört Alina ihnen mit überschwänglicher Begeisterung zu. [Die beiden gehen ihr voll auf den Leim ...]


Ich sitze auf dem Sessel in der Mitte des Raums und blättere durch die Videofiles meines Pads, in dem Versuch die Zeit tot zu schlagen.
Wenn man auf etwas wartet, vergeht die Zeit besonders langsam, ich kann es mir nicht verkneifen ständig auf die Uhr zu gucken. [Warum bin ich so nervös?] Im Grunde verspreche ich mir doch nicht viel vom heutigen Test. Oder ist das die Gruppendynamik, bin ich aufgeregt weil alle anderen es sind?


Collin: "Yo, Leute ... Was wollt ihr eigentlich so Machen, wenn wir erst mal im Spiel sind?"


Collins Aufruf ist für alle überraschend. Alle schauen sich einige lange Momente an, aber niemand traut sich als erster etwas zu sagen. [Soll ich das Eis Brechen?] Ich schalte mein Pad aus um zu zeigen das ich damit fertig bin und lege es auf die Sessellehne.


Nicolas: "Also, ich werde zu einem bösen, tyrannischen Herrscher und werde euch alle versklaven!"


Heiteres Gelächter bricht im Raum aus.


Collin: "Ja, nee ... ist klar!"


Sammy: "Alter, du hast zu viele Mangas gelesen."


Ich gebe mir mühe eine ernste Mine zu behalten, aber es ist schwer da das Lachen der Anderen ansteckt.


Nicolas: "Lacht ihr nur ... so lange ihr noch könnt ..."


Martha wirft lachend ein Päckchen Taschentücher nach mir. [Was sollte das] Findet sie mich zu frech? Sie kritisiert Sammy oft wegen seiner Frechheiten.
Ich stecke da Päckchen demonstrativ, mit möglichst ernstem Blick ein.


Martha: "Hey, das sind meine!"


Nicolas: "Damit werde ich eure Tränen aufwischen wenn eure Niederlage besiegelt ist!"


Zum Schluss kann ich mein eigenes Lachen kaum noch zurück halten.


Alina: "Dann werde ich die strahlende Heldin sein, die dich aufhalten wird!"


Nicolas: "Eine strahlende Heldin, ohne Gefährten? Das vergiss mal lieber wieder!"


Alina: "... Wer wird mich begleiten bei diesem glorreichen Unterfangen?"


Alina schaut fragend in die Gruppe, während sie mit triumphaler Geste die Faust ballt. Die klischeehaften Worte sind an sich schon lustig, aber durch ihren russischen Akzent wirken sie noch alberner.
Sammy ist der erste der in übertrieben glorreicher Pose verkündet:


Sammy: "Ich werde der Meisterschurke sein, der dir alle Türen öffnet!"


Die anderen lassen nicht lange auf sich warten ...


Collin: "Ich werde der Priester sein, der alle deine Wunden heilt!"


Marcell: "Dann übernähme ich die Rolle des mächtigen Magiers. Jede Heldengruppe brauch einen Magier!"


[Versuchen die sich gegenseitig zu übertrumpfen?] In jedem Fall scheint mein Vorhaben zu klappen, die allgemeine Anspannung verflüchtigt sich, auch meine.


Gerald: "Dann werde ich der Barde sein, der deine Siege besingt ..."


Er deutet mit einer Geste ein Seiten-Instrument an.


Nicolas: "War ja klar das alle Kerle auf deiner Seite sind ... Dann nehme ich eben die Mädels zur Unterstützung!"


Ich deute der Reihe nach auf die Damen im Raum.


Nicolas: "Lindsay, die gefürchtete Eis-Magierin!"


Ich finde es amüsant Lindsay ohne Vorwarnung in ein Gespräch einzubeziehen. Ihr überrumpelter Gesichtsandruck ist Gold wert, aber das sagte ich ja schon.


Nicolas: "Nina, die Herrin der Wälder."


Nina blickt sich mit verwirrtem Lächeln um. Sie weiß offenbar nicht, wie sie darauf reagieren soll.


Nicolas: "Und Martha ... die unerschrockene ... ähm ... Köchin!"


Martha: "Das hättest du wohl gerne?! ..."


Die Reaktion war vorhersehbar. [Sollte ich noch einen drauf setzen?] Das wehre wohl zu viel des Guten. Stattdessen werfe ich ihr das Taschentuch-Päckchen zurück.


Nicolas: "Nicht? Was hast du dann für die zwei Monate geplant?"


Martha: "Ooch, Spiele zu spielen, das ist was für euch jungen Leute. Ich werde mich überraschen lassen und die Dinge nehmen, wie sie kommen."


Sammy: "Also doch unsere Köchin ..."


Martha wirft Sammy einen finsteren Blick zu.


Nicolas: "Naja, den Beruf gibt es ja wirklich im Spiel."


Martha: "Warum soll ich in ein virtuelles Paradies flüchten, nur um dort genau dasselbe zu tun was ich sonst jeden Tag auch mache."


Collin: "Da ist was dran."


Marcell: "Du solltest die Gelegenheit nutzen um deine kreative Ader zu finden. In dir steckt bestimmt eine Menge Potenzial."


Martha: "Willst du etwa mein Lehrmeister sein?"


Marcell: "Es wehre mir eine Ehre!"


Wir albern noch ein wenig herum und die Zeit die eben noch im Schneckentempo vorbei kroch, vergeht plötzlich wie im Flug. Nach einer knappen halben Stunde machen wir uns ins Nachbargebäude auf, wo sich hinter strengen Blicken und eben so strengen Sicherheitsmaßnahmen die wissenschaftlichen und technischen Anlagen befinden.

Der Wohnkomplex ist vier Stockwerke hoch, mit der Kantine im Erdgeschoss. Hinter der Scheibe sieht man von draußen das eifrige Küchenpersonal, das nach dem Mittagstisch die Kantine aufräumt
Dort treffen wir auf Tamirat. Er sitzt auf seinem gewohnten Platz auf der Bank.


Sammy: "Tam', wir haben darüber gesprochen, wer was sein will in der Simulation. Wie steht es mit dir, schon eine Idee?"


Tamirat lässt ein paar schweigsame Momente vergehen. Solche kreativen Pausen machte er beim Reden gerne.


Tamirat: "Wenn der Traum es mir erlaubt, wehre ich gerne Jäger, wie in meiner Jugend. Ich vermisse die Jagt!"


Nicolas: "Ich denke, da kannst du zuversichtlich sein."


Während wir uns gemeinsam ins Labor begeben, kommt mir eine Idee. Ich finde einen Moment in dem die neugierigen Ohren der anderen abgelenkt sind:


Nicolas: "Tamirat, ich hätte da eine Frage ..."


Meine Stimme ist absichtlich leiser. Tamirat sagt nichts, deutet mir aber mit einer Geste an das er zuhört. Er hat sofort verstanden das es nicht jeder hören muss. Seine Auffassungsgabe ist verblüffend, obwohl er blind ist ... oder vielleicht eher gerade deswegen.


Nicolas: "Ich habe Nina empfohlen die Jäger Klasse zu spielen, ich denke das würde ihrem Charakter gut tun, ihre Persönlichkeit stärken ..."


Er nickt zustimmend.


Nicolas: "... Meinst du, du könntest sie am Anfang etwas bei der Hand nehmen, ihr die Grundlagen der Jagd beibringen oder so? Ich hoffe das sie dadurch zu mehr Selbstsicherheit findet."


Tamirat: "Nur wenn sie das auch möchte."